Die wahre Geschichte über Schlegel

Die Anfänge

1850 war J. J. Schlegel, der Firmengründer, aus Franken nach Bochum gekommen. Mitte Oktober 1850 nahm J.J. Schlegel seine Tätigkeit als Braumeister des Grafen von der Recke-Volmarstein auf Haus-Overdyk auf.

Am 1. Mai 1854 eröffnete der junge Braumeister – gerade 33 Jahre alt- in den Kellerein des Wirtshauses Hasselkuss an der Essener Chaussee - wie die Alleestraße damals noch hieß - die Bierbrauerei J. Schlegel.

1857 erwarb er dann gegenüber ein 5.600 qm großes Grundstück, um darauf eine Brauerei und Mälzerei zu errichten. Für die Genehmigung des Braugesuches machte die Regierung die Auflage "... daß durch die Anwendung geeigneten Brennmaterials auf eine weitgehende Verbrennung des Rauches hinzuwirken sei ... um Belästigung der benachbarten Grundbesitzer zu verhüten". Umweltschutz in Bochum Mitte des 19. Jahrhunderts!

Vier Jahrzehnte wuchs das Unternehmen parallel zur Entwicklung der Stadt. Als der Familienbetrieb 1899 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, standen hinter zwei Wohngebäuden Alleestraße 7 und 9 eine Mälzerei mit Darregebäuden, Sudhaus, Kühlschiffhaus, Eismaschinengebäude, Wasserturm, Kesselhaus und Kellereien.

Nach der besitzrechtlichen Umstrukturierung um die Jahrhundertwende entwickelte sich die Brauerei in ganz neuen Dimensionen. Die Schlegel AG übernahm bald in schneller Folge nicht nur mehrere andere Brauereien in Bochum wie Arnold Fiege, Victoria Brauerei, sondern es wurden auch in Recklinghausen (1921), Giersleben (1921) und Herne (1926) Betriebe erworben und weitergeführt. Der Bierausstoß der Brauerei stieg von 66.000 hl 1898, über 100.000 hl 1913, auf 325.000 hl 1928 und 500.000 hl 1957. Seit 1933 wurde zudem in den Gebäuden der ehemaligen Bochumer Viktoriabrauerei zwischen Castroper- und Blumenstraße Schlör Apfelsaft hergestellt.

Nach dem großen Krieg

"1945 war die Brauerei ein Trümmerhaufen ... Aber in einer Zeitspanne von wenigen Jahren entstand das Werk wieder neu" berichtet Klaus-Joachim Schlegel. Neben der Initiative des Generaldirektors Hövelhaus trugen wohl Schmiedeknechts tatkräftiger Einsatz, seine Erfahrungen, seine Kenntnis der Bausubstanz und wohl auch seine stets guten Beziehungen zu Behörden und Handwerkern dazu bei, dass 1954 zum 100jährigen Firmenjubiläum der Wiederaufbau nahezu vollendet war. 1956 entstanden dann noch neue Betriebsgebäude auf der anderen Seite des heutigen Westrings. Sie wurden durch einen 7 m unter der Straße angelegten Tunnel mit der übrigen Brauerei verbunden.

Obschon die Schlegel-Brauerei 1956 mit 429.000 hl Ausstoß die achtgrößte bundesdeutsche Brauerei war, wurde nun nicht weiter ausgebaut. 1971 übernahm die Dortmunder Union (Schultheiß) den Stammbetrieb. Er wurde 1980 stillgelegt und das Gelände 1983 an die Landesentwicklungsgesellschaft LEG-NRW verkauft. Anschließend begann der Abriss der meisten Gebäude und die Bebauung mit Wohnblöcken und Bürobauten.

Inzwischen ersetzen auf dem Schlegel Brauereigelände Etagenhäuser die vom Bochumer Architekten Schmiedeknecht geschaffenen Werksanlagen, während an der nahen Mühlenstraße die Reste der gründerzeitlichen Wohn- und Geschäftshäuser modernen Geschäftsbauten weichen mussten. Erstaunlich schnell hat sich hier die Struktur der Innenstadt gewandelt. Statt der beherrschenden Industrieanlage erfüllt die neuangesiedelte Wohnbevölkerung, ähnlich wie in anderen Städten, die Stadtmitte wieder mit neuem Leben .

Das neue Jahrtausend

Da es immer Bochumer gab, die den Duft von Malz und Maische sowie den Dampf, der den Schlegel-Turm umwogte, ein wenig vermissten Entschlossen sich Dirk Link und Martin Zünkeler im Jahre 2002 die Markenrechte von Schlegel zurückzuerwerben, um unter diesem traditionellen Namen wieder ein gutes Ruhrgebiets Bier zu brauen. Dieser ungebremste Enthusiasmus steckt auch schon in einem der vielen Leitsprüche: Goldene Regel immer Schlegel. So empfinden auch Link und Zünkeler: Schlegel Bier, gebraut nach dem Elvis Prinzip: die besten sterben nie!

Nachdem das moderne Schlegel Bier unter aktiver Mitarbeit von Klaus-Joachim Schlegel gemeinsam mit der Brauerei Schwelm entwickelt und realisiert wurde, ging die bewegte Geschichte dieser Traditionsmarke des Ruhrgebietes weiter. Zunächst mit dem Schwerpunkt Gastronomie in 0,33l Longneck-Flaschen, später in 0,5l Bügelflaschen und als Fassbier. Die bedauerliche Insolvenz der Brauerei Schwelm stoppte den frischen Aufwind von Schlegel Bier zunächst ein weiteres Mal.  Aber auch dieses Mal nur kurfristig.

Gegenwärtig wird Schlegel Bier der klassischen Sorte „Uryp“ gebraut. Mit der 0,5l-(Mehrweg-)Longneckflasche in der „glücklichen Recyclingkiste“ und mit umweltfreundlichen Etiketten ist Schlegel auf dem Weg, sich wieder dauerhaft in Handel, Gastronomie und bei privaten Schlegelfreunden zu etablieren. Insbesondere der bundesweite Versand dieser ehemaligen weltweit vertriebenen Marke knüpft wieder sichtbar an den Anspruch an, für möglichst viele Bierkenner in ganz Deutschland ein würdiger, moderner und positiver Repräsentant der Brautradition des Ruhrgebietes zu sein.

Der Wunsch wieder Fassbier abzufüllen und das weltweite Interesse, Schlegel zu genießen, dass insbesondere durch die aktiven Kontakte in sozialen Netzwerken zum Ausdruck kommt, sind die nächsten logistische Herausforderungen von Schlegel Bier.

Alles bleibt alles wie gehabt – nämlich immer wieder anders.

Schlegel Bier – Drink different!